Seid Stunden hockte ich nun schon hier in diesem Bus und starrte aus dem Fenster. Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen, was mir aber mehr als leicht fiel. Immer wieder tauchte ein mir zu bekanntes Gesicht vor meinen Augen auf. Es war das Gesicht von Miriam. Ich hatte Miriam vor etwa zwei Jahren kennen gelernt. Sie arbeitete bei einem Merchendaise-Stand bei meinem Lieblings-Fussballverein. Dem FC St. Pauli. Als ich sie das erste mal sah, war ich sofort hin und weg. Allein wie sie mich mit ihren Reh-braunen Augen ansah, brachte mich schon um den Verstand.Ich konnte nicht denken, nicht fühlen wenn sie mich ansah. Ich fragte mich immer wieder, wie sie das machte. Wie konnte ein Mensch, den man nicht kennt, so aus der Fassung bringen? Ich fand nie eine Antwort darauf. Ich versuchte zu so vielen Spielen wie möglich zu gehen, was aber nicht so ganz einfach war. Zwischen einer Tour und einem Album das wir zu dem Zeitpunkt aufnahmen noch zum Fußball zu gehen. Aber ich schaffte es. Als ich in einer Halbzeit-Pause zum besagten Merchendaise-Stand ging, war sie wieder da. Sie lächelte mich an. Dieses Lächeln brachte mich vollends aus der Fassung. Wie in Trance kaufte ich mir ein T-Shirt und ging langsam zurück zu meinem Platz. Eine Weile saß ich einfach nur da. Dachte an sie. Ich schüttelte den Kopf und wollte das Rest Geld, das ich noch immer in meiner Hand hielt, einstecken. Plötzlich fiel mir ein kleiner Zettel entgegen, der vorher noch nicht da war. Ich faltete ihn auseinander und las ihn mir durch. „Ruf mich doch mal an. Ich würde mich freuen“ Ich konnte es nicht glauben. Etwas weiter unten stand eine Nummer. Ihre Telefonnummer und ihr Name. Miriam. Ich konnte es erst nicht glauben, das sie mir ihre Nummer gegeben hatte. Nach dem das Spiel zu ende war, machte ich mich so schnell ich konnte auf dem Weg nach Hause. Schnell schloss ich die Tür auf, warf meine Klamotten in eine Ecke und setzte mich auf die Couch. Noch während ich ins Wohnzimmer lief, kramte ich mein Handy aus meiner Hosentasche und wählte ihre Nummer. Es dauerte nicht lange bis ich ihre Stimme hörte. Wir redeten lange. Ich weiß gar nicht ob es Minuten oder sogar Stunden waren die wir telefonierten. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Ich verabredete mich noch für den nächsten Tag mit ihr. Wir wollten mit dem Motorrad an einen See fahren. Zwei verdammte Jahre war es nun her. Eine Ewigkeit wie es mir scheint. Doch dieser Tag an dem wir uns trafen, veränderte mein gesamtes Leben. Nicht nur meines wie sich hinterher raus stellen sollte. An dem Tag holte ich Miriam mit meinem Motorrad ab. Wir mussten eine Landstraße entlang um zum See zu gelangen. Es war ein schöner Spätsommerabend, kaum jemand war auf dieser Landstraße unterwegs. Nur wir. Der Himmel färbte sich schon langsam in einem zarten Rosa. Miriam drückte sich an mich. Es war ein tolles Gefühl ihr so nah zu sein und doch war sie so weit weg. Ich konzentrierte mich weiter auf die Straße. Diese bog sich langsam in eine Kurve als ich ihn sah. Ein LKW. Mit Lichthupe versuchte er sich noch mehr Platz auf der Straße zu verschaffen. Ich hörte noch wie Miriam schrie, dann wurde alles schwarz. Ich wachte erst wieder in einem Krankenhaus auf, und die erste Person die ich sah, war mein bester Freund Jan. Er sah schlimm aus, als hätte er viele Nächte nicht geschlafen. Selbst wenn ich noch heute daran zurück denke, zerreißt es mich jedes mal aufs neue so meinen besten Freund gesehen zu haben. Voller Sorge um mich. Doch er schien mir etwas zu verheimlichen. Jan war nie gut im Lügen und so war es auch diesmal. Nur was war es? Ich versuchte mich zu erinnern. Er dauerte eine Weile, doch dann mit einem mal war sie da. Die Erinnerung. Miriam. Wo war sie? Wie schwer war sie verletzt? Ich sah Jan an und er schien zu wissen was ich ihn fragen wollte. Jan sagte nichts, er schüttelte nur seinen Kopf und ich wusste, das Miriam den Unfall nicht überlebt hatte. Noch heute kann ich die Tränen nicht verbergen, wenn ich an diesen Tag zurück denke. Zu schmerzhaft ist die Erinnerung. Zu viel war passiert. Ich war schuld an ihrem Tod, auch wenn jeder mir immer wieder sagte das es nicht so wäre. Aber wieso verschwindet dieses Gefühl dann nicht? Es kann mir auch wahrscheinlich auch keiner das Gefühl nehmen. Ich muss versuchen damit zu leben. Für den Rest meines Lebens auch wenn keiner weiß wann es endet. Plötzlich ist es da und man kann nichts dagegen machen. Man ist einfach Machtlos.
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